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Historische Entwicklung

… von der Urmutter bis zur Krankenschwester – die historische Entwicklung der Gesundheits- und Krankenpflegerin

Urmutter

Die Kunst der Pflege ist die älteste Beschäftigung der Frauen.

Es ist die Mutter, die für ihre Kinder alle Dienste verrichtet - die es ihnen möglich macht, zu leben und aufzuwachsen.

Die Voraussetzungen für das Dasein änderten sich mit Beginn der Jungsteinzeit in entscheidender Weise. Der Mensch begann, den Boden zu bestellen, Tiere zu züchten und in Dörfern zu wohnen. Das Leben in der Gruppe brachte feste Regeln hervor und die Stellung der Frau gewann an Bedeutung.

Einen ärztlichen oder pflegerischen Standard gab es während dieser Epoche nicht. In der Frühzeit war es die Frau, die für Nahrungszubereitung, Gestaltung des Alltages in der Gruppe, Kinderbetreuung und dem Beschützen der Schwachen zuständig war. Hier entsprach die Unterstützung und Versorgung des Nächsten in der Tat und in erster Linie einer pflegerischen Grundhaltung.

Der Kranke wurde naturgemäß auch bei den Frühmenschen als hilflos und gebrechlich empfunden, von der Gemeinschaft abgelehnt und doch von ihr abhängig. Bei den heutigen Urvölkern kann man hierzu zwei grundlegende Einstellungen beobachten. Viele Stämme neigen dazu, ihre arbeitsunfähigen Mitglieder gut zu behandeln, sie zu ernähren und zu pflegen. Jedes Opfer wird erbracht, um sie vom Medizinmann behandeln und heilen zu lassen. Andere Stämme entledigen sich jedoch der Kranken und Schwachen, wobei wirtschaftliche Schwierigkeiten bei der Nahrungsteilung, Furcht vor Übertragung der Krankheit, aber auch Mitleid und Verehrung eine Rolle spielen. Die Alten und Schwachen ziehen sich häufig auch selbst aus der Gemeinschaft innerhalb der Gruppe zurück, um in Abgeschiedenheit zu sterben. Das Überleben des Klans steht im Vordergrund. Man kann daher nicht davon ausgehen, dass eine empathische Behandlung der Kranken und Alten ein Kennzeichen höherer Zivilisation ist.

Informationen zum Urmutter-Kostüm (aus dem Altertum)

Bestandteile:
1 Rock
1 Bluse
1 Knotennetz
2 Gürtel

Anweisung zum Anlegen:
Der Rock wird weit über die Taille nach oben gezogen, die Bluse kommt in den Rock.
Der schmale Gürtel hält den Rock oberhalb der Taille fest, der breite Gürtel sitzt direkt in der Taille.

dazugehörige Haartracht:
Ein schöner großer Knoten wird vom Knotennetz gehalten.

Konfektionsgröße:
38/40, ca. 165 cm große Person

Hygieia

In einem Teil der griechischen Halbinsel liegen die Marmorruinen und ausgegrabenen Fundamente von Epidaurus, dem berühmtesten Kult- und Kurortes des Altertums. Griechenland führt seine ärztliche Kunst auf eine legendäre Vergangenheit zurück. Der Arzt Asklepios wurde im 5. Jahrhundert v. Chr. als eigentlicher Gott der Heilkunde verehrt. Sein Symbol, die um den Stab gewundene Schlange, ist noch heute ein Kennzeichen des ärztlichen Standes und der Apotheker. Bei der Schlange handelt es sich um die Äskulapnatter. Die bernsteinfarbene Schlange mit dem hellen Bauch findet man hier in Deutschland z. B. noch im hessischen Heilbad Schlangenbad und auf Schloss Freudenberg bei Wiesbaden. Sie ist nicht gefährlich oder giftig, wurde aber fast ausgerottet. Die Gründe hierfür sind die beachtliche Größe und das bevorzugte Leben in der Nähe menschlicher Behausungen und Kellergewölben.

Hygieia, die Tochter des Heilgottes Asklepios, wird als Göttin der Gesundheit verehrt. Das Wort „Hygiene“ ergibt sich aus dem entsprechenden Adjektiv „hygieinós“ („der Gesundheit dienlich“).

Der Asklepioskult

Die Quellen der frühen griechischen Medizin zeigen alle Merkmale empirisch gewonnenen Heilwissens, verbunden mit der Idee des Göttlichen als zuständige Instanz für Krankheit und Heilung. Aus dieser Zeit stammt auch der Asklepioskult. Asklepios zu Ehren entstanden überall Tempel, in deren Nähe später zur Ausbildung von Ärzten Asklepiadenschulen errichtet wurden. Die Priesterärzte – Asklepiaden genannt – unterrichteten hier den ärztlichen Nachwuchs. Drei der berühmtesten Schulen waren in Knidos, auf den Inseln Rhodos und Kos. Hippokrates, der „Vater der Heilkunde“, wurde im Jahre 460 vor Chr. auf Kos geboren.

Die Asklepiostempel waren die wichtigsten Stätten einer religiös bestimmten Richtung der griechischen Heilkunde. Zu ihnen kamen die Patienten, um im Tempelschlaf die göttliche Heilkraft zu empfangen. Die Vorbereitung auf den Tempelschlaf trägt alle Züge einer kultischen Handlung, aber auch die eines empirischen Heilwissens. Nach einer meist langen Anreise, musste der Patient vor dem Betreten des Tempels erst eine Fastenzeit absolvieren; strenge Vorschriften regelten die allgemeine Lebensweise, Gottesdienste und religiöse Übungen versetzten die Seele in gespannte Erwartung. Er schlief dann eine oder zwei Nächte innerhalb des Tempels zu Füßen der Statue des Gottes, um von ihm im Traum seine Verordnungen zu erfahren. Wir können sicher sein, dass für die therapeutischen und pflegerischen Interventionen jeweils geschultes Personal zur Verfügung stand. Es ist erstaunlich, mit welcher Sorgfalt damals über die geeignete Lagerung, das Krankenbett, die richtige Ernährung und Lebensführung des Kranken nachgedacht wurde. Große Bedeutung hatte die Beobachtung des Kranken. Aus den Eindrücken der Inspizierung, der Anamnese und den Deutungen der Träume wurde die Therapie abgeleitet.

Informationen zum Hygieia-Kostüm (aus dem Altertum)

Bestandteile:

1 Kleid
1 Unterkleid
1 Kordel
1 Seidenband

Anweisung zum Anlegen:

Über das Unterkleid kommt das Kleid.
Das Kleid wird auf der Schulter festgesteckt und drapiert.
Die Kordel kommt über den Überfall des Kleides.
Zu diesem Kostüm sollten einfache Ledersandalen getragen werden.

dazugehörige Haartracht:

Das Seidenband wird in verschiedenen Touren um den Kopf gelegt.
Die Darstellerin kann kurzes Haar und Knoten tragen.

Konfektionsgröße:

38 – 44, ca. 170 cm große Person

Phoebe

Mit Phoebe, welche im ersten Jahrhundert nach Christi lebte, begann die weibliche Betätigung in der Krankenpflege außerhalb der eigenen Familie.

Sie war die erste Diakonisse.

Die christliche Caritas ist seit den Worten der Heiligen Schrift eine nicht auflösbare Einheit der Gottes- und der Nächstenliebe sowie der Wohltätigkeit.
Der entscheidende Impuls für die Entwicklung einer christlichen Krankenpflege, deren Haupttugend die Barmherzigkeit darstellt, war die Tatsache, dass die frühen Christengemeinden diesen Auftrag in eindrucksvoller Weise sofort in die Tat umsetzten. Der heilige Paulus hatte in seinem Brief an die Römer eine Frau namens „Phoebe“ als „diakonos“ bezeichnet: „Sie ist für viele zum Beistand geworden und auch für mich selbst.“ „Denn in die Häuser der Heiden, in denen es gläubige Frauen gibt, soll eine Diakonisse gehen; sie soll da die Kranken aufsuchen und ihnen mit allem dienen, was für sie erforderlich sein könnte.“ (aus der syrischen Kirchenordnung des 4. Jahrhunderts, die „Didaskalia“)

Neben den Diakonissen erwähnen die frühen Zeugnisse die Tätigkeit der Witwen und Jungfrauen, die schon in apostolischer Zeit zu karitativen Tätigkeiten in den Gemeinden herangezogen wurden.

Für die karitative und seelsorgerische Versorgung notleidender, kranker und pflegebedürftiger Menschen wurden organisatorische Strukturen in Form von Diakonie-Stationen („Diakonie“, altgriechisch: „Dienst“) aufgebaut. Aufzeichnungen weisen darauf hin, dass Diakonissen und Diakone Menschen von Bedeutung und Würde darstellten. Diakone und Diakonissen übernahmen die Diakonie, womit im Griechischen das „schlichte Dienen“ bezeichnet wurde.
Man kann die Diakonissen der frühchristlichen Kirche mit Recht als die Gruppe von Frauen betrachten, die den Grundstein zum Krankenpflegeberuf und somit zu einer modernen Wohltätigkeitsarbeit gelegt haben.

Informationen zum Phoebe-Kostüm (aus dem Urchristentum)

Bestandteile:

1 Kleid
1 Unterkleid
1 Überhaube
1 Umhang

Anweisung zum Anlegen:

Der Umhang wird so über das angezogene Kleid drapiert, dass ein Arm davon unbedeckt bleibt, die weiße Blende des Kleides soll zu sehen sein.

dazugehörige Haartracht/Kopfbedeckung:

Unter der Überhaube kann die weiße gestärkte Haube getragen werden, darüber wird die Überhaube gelegt, der lila Streifen soll zu sehen sein. Kopfhaar darf nicht hervorschauen.

Konfektionsgröße:

40, ca. 170 cm große Person

Die Ordenspflege

Vor Beginn des 5. Jahrhunderts an entstanden viele bedeutende Klöster. Für sie alle wurde die Regel des Gründers des Benediktinerordens – Benedikt von Nursia – richtungsweisend.

„Die Sorge für die Kranken steht vor und über allen anderen Pflichten.
Man soll ihnen wirklich wie Christus dienen.“
(Regula Benedicti)

Die Regel bestimmt das Maß des Redens und des Schweigens, des Essens und des Fastens, des Arbeitens und der Ruhe, den mäßigen Schlaf und die Beherrschung der Leidenschaften. Weiterhin trägt das 36. Kapitel dem Mönch die Sorge für Gesunde und Kranke auf, denn der Mensch ist verpflichtet, die Gesundheit zu erhalten und auf ihr seine geistliche Existenz aufzubauen.

Für Jahrhunderte lagen Heilkunde und Krankenpflege in den Händen von Nonnen und Mönchen, die darüber hinaus innerhalb und außerhalb ihrer religiösen Niederlassungen Pflichten übernahmen, welche heute Sozialarbeiter in Sozialstationen verrichten.
Die Äbtissin Hildegard von Bingen (geb. 1098) war wohl die bedeutendste Frau dieser Zeit.

Das gesamte heilkundliche Werk von Bingens spiegelt sich in der Aussage bezüglich ihrer pflegerischen Grundhaltung wider:

„Pflege das Leben, wo Du es triffst.“
(Hildegard Von Bingen)

Durch ihr gesamtes Denkens zieht sich die Leitlinie von der maßvollen Führung der leiblichen Existenz in gesunden und kranken Tagen:

„Bei allen Angelegenheiten der täglichen Lebensbedingungen soll man dem Nächsten das Menschliche zuerkennen.“
(Hildegard von Bingen)

Hildegard von Bingen besaß ein großes medizinisches Wissen. Die von ihr geschriebenen Bücher befassen sich mit den Ursachen, Symptomen und der Behandlung von Krankheiten. Man nimmt an, dass sie im Umgang mit Kranken ihre Beobachtungen dokumentierte und so zu ihren Erkenntnissen kam.
Aber auch die alte Tradition der diätetischen Grundstrukturen lässt sich aus allen Abschnitten von Bingens Anweisungen herauslesen.

Informationen zum Ordensfrau-Kostüm (klösterlicher Krankenpflegeorden)

Bestandteile:

1 Kleid, dunkelblau
1 Habit, dunkelblau
1 Kordel, weiß
1 Kragen, weiß
1 Überhaube, weiß
1 Überhaube, dunkelblau
1 Unterkleid, schwarz

Anweisung zum Anlegen:

Erst das schwarze Unterkleid, anschließend das Kleid.
Die weiße Kordel wird in der Taille gebunden, darüber kommt dann das Habit.

dazugehörige Haartracht/Kopfbedeckung:

Aufsetzen der weißen Überhaube, glatt an die Stirn gelegt, in der Schläfengegend nach vorn eingeschlagen und unter dem Kinn befestigt.
Anschließend wird der weiße Kragen darüber gelegt und hinten zugesteckt.
Zum Schluss wird das blaue Tuch über den Kopf gelegt
und auch in der Schläfengegend eingeschlagen.
Die Enden hängen über Schultern und Brust.

Konfektionsgröße:

42, ca. 170 cm große Person

Die Beginen

Im 12. Jahrhundert, dem goldenen Zeitalter der Klöster, entstand eine Form der Lebensgemeinschaft ohne Ordensgelübde. Ihre Gründung durch einen belgischen Priester (Lambert le Bégues, gestorben 1177) ist nicht bewiesen.

Im südlichen Brabant (historisches Gebiet in den heutigen Staaten Niederlande und Belgien) bildeten sich Pflegegemeinschaften von Frauen, die in eigenen Siedlungen, den Beginenhöfen, zusammenlebten und ihre persönliche Selbstständigkeit bewahrten.
Sie widmeten sich dem Unterricht für Mädchen, der Krankenpflege und dem Bestattungswesen. Der Schwerpunkt ihrer Krankenpflege war die Hauspflege, heute vergleichbar mit der Arbeit einer Sozialstation. Besondere Verdienste erwarben sich die Beginen in der Pflege der an Epidemie Erkrankten. Sie unterstützen die Betroffenen sowohl finanziell als auch materiell.
Bis zum 14. Jahrhundert wurden in großen Städten, z. B. Köln und Straßburg, Beginenhäuser in zunehmendem Maße errichtet.

Auch in Hannover lebten Frauen in dem seit 1375 bestehenden Beginenturm und verrichteten Werke der Barmherzigkeit sowie der Nächstenliebe. Heute können wir noch einzelne Beginenhöfe in Flandern, Gent und Brügge besuchen.

Elisabeth von Thüringen

Richtunggebend für die Krankenpflege wurde vor allem der vom heiligen Franz von Assisi gegründete „Dritte Orden“ seiner Gemeinschaft, die sogenannten „Terziaren“. Diese stellten ursprünglich Frauen und Männer dar, die aufgrund der Lehre des Franziskus zusammenfanden und später Kongregationen in abgeschlossener Gemeinschaft bildeten. Um sich in erster Linie der Krankenpflege zu widmen, genossen die Terziaren das Privileg der einfachen Gelübde und erleichterter Klausur.

Im späten Mittelalter erhielten die Spitalschwestern dieser Vereinigungen in Nordfrankreich und den Niederlanden den volkstümlichen Namen der „Grauen Schwestern“, welcher später auch auf andere Kongregationen übergegangen ist.

Aus den Reihen der Terziaren ging eine Reihe besonders verehrter, karitativ tätiger Persönlichkeiten hervor, aus denen Elisabeth von Thüringen (1207 – 1231) zur Schutzheiligen der Grauen Schwestern hervorging.

Neugeborene und deren Mütter im Wochenbett pflegte sie mit besonderer Hingabe und ging somit als Schutzheilige der Krankenpflege und der Kinderheilkunde in die Geschichte ein. Auch schreckte sie nicht vor der Pflege der Aussätzigen und der damit verbundenen Gefahr der Ansteckung zurück.

„Eine Fürstin, die doch jedes Armen Magd ist und alles hingibt und nichts begehrt und ihre Kräfte im Dienste der Elenden verzehrt und dann bei ihren Armen stirbt.“
(Elisabeth von Thüringen)

Informationen zum Kostüm der Elisabeth von Thüringen (aus der Gruppe der Heiligen)

Bestandteile:

1 Unterkleid, weiß
1 Unterkleid, rosa, langärmelig
1 Oberkleid, grün
1 Kopfputz, zweiteilig

Anweisung zum Anlegen:

Das weiße Unterkleid wird zuerst angezogen, darüber kommt das langärmelige Unterkleid, darüber dann das grüne Oberkleid.
Es kann vorsichtig mit Nadeln auf den Unterkleidern der Trägerin festgesteckt werden.
Wichtig: Die Applikationen wurden nach der Ausbesserung am Kleid angebracht.
Bitte ganz vorsichtig unter einem Bügeltuch aufbügeln.

dazugehörige Haartracht/Kopfbedeckung:

Der Kopfputz wird so aufgesetzt, dass etwas vom Kopfhaar zu sehen ist, das Tuch fällt nach vorn auf die Schulter.
Darüber wird der Streifen mit den eingelegten Falten gelegt und festgesteckt.

Konfektionsgröße:

40, ca. 165 cm große Person

Johanniterin

Die Entstehung der geistlichen Ritterorden ist eng mit der Kreuzzugbewegung im 11. und 13. Jahrhundert verbunden. Mönche und Ritter – in einer Ordensgemeinschaft zusammengeschlossen – nahmen sich der Kranken und hilfsbedürftigen Pilger an und sie verteidigten das Heilige Land gegen die Ungläubigen.

Der älteste und bekannteste ritterliche Krankenpflegeorden war der Johanniterorden, der Mitte des 12. Jahrhunderts in Jerusalem entstand. Der weibliche Zweig dieses Ordens – die Johanniterinnen – nahm sich der Frauenpflege an. Anfangs kannte die Regel der Johanniter nur einen Unterschied zwischen Klerikern und Laienbrüdern. Beide folgten der Aufgabe, den Armen zu dienen.

Wer in den Orden eintrat, bekam nicht mehr als Wasser, Brot und eine einfache Kleidung:

„Denn unsere Herren, die Armen, deren Diener wir zu sein bekennen, kommen nackt und schmutzig in das Haus und schändlich wäre es, wenn der Knecht stolz wäre und sein Herr geringe.“

Das achtspitzige, weiße Kreuz stellt das Symbol des Ordens dar.
(Jede der acht Spitzen steht für eine Seligpreisung Jesu aus der Bergpredigt.)

Heute führt der Gesamtorden auf evangelischer Seite als Johanniterorden, aus katholischer Seite als Malteserorden, die Tradition fort:

• Fürsorge für Hilfsbedürftige
• Tätigkeit in der Unfallhilfe
• Pflege der Kranken

Informationen zum Johanniterinnen-Kostüm (aus der ritterlichen Krankenpflege)

Bestandteile:

1 Kleid, dunkelblau
1 Bluse, rot
1 Kragen, weiß
1 Überhaube, dunkelblau
1 Unterkleid

Anweisung zum Anlegen:

Zuerst wird die kleine rote Bluse angezogen und der weiße Kragen darauf befestigt, danach das Kleid darüber gezogen.
In der Taille wird, je nach Figur der Darstellerin, abgesteckt (aber so, dass das Kreuz nicht abknickt).
Aufsetzen der Überhaube.
An der Schläfengegend wird sie einmal eingeschlagen, der Stoff fällt so von selbst nach vorn, unten hinten wird sie festgesteckt.
Flache, einfache Schuhe werden getragen.

dazugehörige Haartracht/Kopfbedeckung:

Die Schultern werden vom Tuch bedeckt, das Kreuz darf aber nicht verdeckt werden.
Das Kopfhaar ist nicht zu sehen.

Konfektionsgröße:

40–42, ca. 165 cm große Person

Die Vinzentinerin

Vinzenz von Paul (1581 – 1660) erkannte in seiner priesterlichen Tätigkeit die Notwendigkeit einer geordneten Armen- und Krankenpflege.

In Paris lernte er die „Barmherzigen Brüder“ und ihr vorbildliches Wirken kennen. In Zusammenarbeit mit Madame le Gras gründete er eine neue Form weiblicher Krankenpflege: „Die Kongregation der Barmherzigen Schwestern“. Später wurden sie nach ihrem Initiator „Vinzentinerinnen“ genannt.

Mit der Gründung der Barmherzigen Schwestern ging es Vinzenz von Paul darum, den Aktivitäten christlichen Kirchen in der Hilfe für Bedürftige einen geregelten und organisierten Rahmen zu geben.

Er knüpfte an die Tradition der altchristlichen, weiblichen Diakonie an:

„Es sind 800 Jahre, dass die Frauen kein öffentliches Amt in der Kirche haben. Früher gab es Diakonissen, seit der Zeit Karls des Großen haben sie nach einem verborgenen Rat der Vorsehung aufgehört.“

Vinzenz war sich bewusst, dass der Verzicht auf die schützenden Mauern des Klosters ein großes Maß an christlichen Tugenden von seinen Schwestern erforderte. So sagte er von ihnen:

„Sie haben als Leiterin die Regel, als Kloster die Wohnung der Armen, als Zelle ein Mietszimmer, als Kapelle die Pfarrkirche, als Kreuzgang die Straßen der Stadt oder die Krankensäle, als Klausur den Gehorsam, als Gitter die Furcht Gottes und als Schleier die heilige Einfalt.“

Frauen, die der Kongregation beitreten wollten, mussten von achtbaren Eltern abstammen, einen „makellosen Charakter“ haben und gesund sein. Sie durften nicht älter als 28 Jahre und zuvor nicht als Dienstboten gearbeitet haben. Ferner sollten die Schwestern lesen, schreiben und rechnen können. Nach einer Zeit von 5 Jahren wurde es der Schwester gestattet, zum ersten Mal ein Gelübde abzulegen. Dieses galt nur für ein Jahr und konnte jährlich erneuert werden.

Die Schwestern lebten alleine oder in sogenannten Mutterhäusern zusammen und führten ein aktives religiöses Gemeinschaftsleben ohne strenge Regeln und Klausur. In der Tracht der damaligen Landmädchen arbeiteten die Barmherzigen Schwestern in den verschiedensten, später auch vertraglich übernommenen Hospitälern. Lange Zeit blieben sie der traditionellste Pflegeorden Frankreichs.

Die qualitativ hochwertige Arbeit der Schwestern sprach sich schnell herum und so blieb es nicht aus, dass Krankenhäuser bei Vinzenz von Paul und bei Madame le Gras anfragten, ob die Schwestern nicht auch in ihren Häusern arbeiten könnten.

Madame le Gras schloss daraufhin mit den Krankenhäusern sogenannte Mutterhaus- oder Gestellungsverträge ab, die folgende Punkte verbindlich regelten:

  • Die Schwestern waren der Leitung des Krankenhauses unterstellt und erhielten dort Unterkunft und Verpflegung.
  • Die Pflege lag allein in ihren Händen.
  • Den ärztlichen Anordnungen hatten sie Gehorsam zu leisten.
  • Das Krankenhaus verpflichtete sich, die Würde der Schwestern zu wahren und sie beispielsweise nicht vor Patienten zu tadeln.
  • In allen disziplinarischen und religiösen Angelegenheiten unterstanden sie der Oberin des Mutterhauses (Paris). Sie behielt sich das Recht vor, die Schwestern nach eigenem Ermessen auszutauschen
  • Das Krankenhaus bezahlte für die Leistung der Schwestern Geld an das Mutterhaus. Die Schwestern erhielten vom Mutterhaus zur Deckung der zusätzlichen Bedürfnisse ein Taschengeld.

So entstanden an vielen Orten Mutterhäuser der Barmherzigen Schwestern. Als Madame le Gras starb, waren bereits 350 Schwestern an 70 Arbeitsplätzen in Frankreich und Polen als Vinzentinerinnen tätig.

Informationen zum Vinzentinerinnen-Kostüm (Barmherzige Schwester)

Bestandteile:

1 Kleid
1 Unterkleid
1 Kragen
2 Stulpen
1 Schürze
1 Überhaube
1 Haube

Anweisung zum Anlegen:

Über das Unterkleid wird das Kleid gezogen, darauf kommt der Kragen, vorn geschlossen.
Die Schürze wird in Höhe der Brust angeheftet oder gesteckt, desgleichen in der Taille.
Die Unterhaube wird glatt um den Kopf gelegt,
kein Haar schaut heraus und wird hinten unten befestigt.
Vorn werden lose Falten gelegt, die leicht festgesteckt werden können.
Wenn die Unterhaube gut gestärkt ist, legen sich die Falten gut.
Die Stulpen werden über die Unterarme gestreift
und die blauen Stulpen des Kleides darüber drapiert.

dazugehörige Haartracht/Kopfbedeckung:

Die Haube kann die Kopfform hervorheben, muss aber nicht aufgesetzt werden.

Die Diakonisse

Der Qualitätsverlust innerhalb der Krankenpflege und die hygienischen Verhältnisse in den Hospitälern haben dem Ende des 17. bis Anfang des 19. Jahrhunderts den Namen „dunkles Zeitalter der Krankenpflege“ gegeben.

Während dieser Zeit konnte man zwar einen Aufschwung der medizinischen Kenntnisse verzeichnen - Krankenpflege-Lehrbücher und eine Beschreibung über die Eigenschaften der idealen Pflegerin wurden herausgegeben. Dies blieb jedoch ohne Einfluss auf die Lebens- und Arbeitsbedingungen.

Die Erneuerung der Krankenpflege sollte von anderer Seite kommen.

Theodor Fliedner, Pfarrer der kleinen evangelischen Gemeinde in Kaiserswerth, einem Düsseldorfer Stadtteil, gelang es aufgrund der dringlichen Notwendigkeit nach kompetenterem Pflegepersonal, Frauenvereine im Sinne der frühchristlichen Diakonie – des schlichten Dienens – auf ehrenamtlicher Basis in den Dienst der Kirche zu stellen.

Im Jahre 1836 gründete Fliedner einen Verein für christliche Krankenpflege in Kaiserswerth, der zur Wiege der Diakonissenmutterhäuser wurde.

Für die äußere Organisation und die sachliche Ausrichtung seines Vereins orientierte er sich am Vorbild der Barmherzigen Schwestern.

Dem Unterricht lag die 1832 in Berlin erschienene „Anleitung zur Krankenwartung“ des Charité Arztes Johann Friedrich Dieffenbach (1792 – 1847) zugrunde, später die Neufassung seines Schülers Carl Emil Gedike.

Dieser Unterricht wurde ergänzt durch Instruktionen, welche den Schülerinnen durch die erste Diakonisse Gertrud Reichardt, einer erfahrenen Pflegerin und durch Fliedners Frau Friedericke (1800 – 1842), vermittelt wurden. Friedericke war an der Arbeit ihres Mannes in hohem Maße beteiligt und die erste leitende Vorsteherin des Diakonissenwerkes. Fliedner selbst unterrichtete die theologischen Grundlagen des Berufes in Verbindung mit Pflegeethik. So wurde durch die Form des Unterrichts ein Grundstein für die spätere Entwicklung der neuzeitlichen Krankenpflegeschulen gelegt.

Ein Leitgedanke Theodor Fliedners war die Stellvertretung Christis durch den Kranken und Pflege des Herrn durch die Diakonisse:

„Sie beweise in all ihrer leiblichen Pflege des Kranken solche Liebe, Zartheit, Geduld, Sanftmut und Ausdauer, dass man gewahr werde, sie pflege den Kranken, als pflege sie den Leib des Herrn Jesu selbst, und empfange dazu die Kraft aus der Höhe.“

Anlässlich des 25-jährigen Jubiläums im Jahre 1861 kamen die Vorstände aller Mutterhäuser nach Kaiserswerth. Mittlerweile gab es 28 Mutterhäuser mit 1.207 Diakonissen, die auf der ganzen Welt tätig waren. Kaiserswerth selbst zählte 380 Diakonissen an 83 auswärtigen Stationen.

Informationen zum Diakonissen-Kostüm (nach Fliedner, Kaiserswerth)

Bestandteile:

1 Kleid
1 Unterkleid
1 Haube
1 Kragen

Anweisung zum Ankleiden nicht erforderlich.

Die Rot-Kreuz-Schwester

Der Schweizer Henri Dunant befand sich 1859 auf dem Schlachtfeld von Solferino und erlebte als Augenzeuge unmittelbar die unbeschreibliche Not und das Leiden der Verwundeten und Gefangenen, die ohne jede Versorgung blieben.

Aufgrund seiner Initiative wurde 1864 die Erste Genfer Konvention ratifiziert, welche den Schutz von Personen, die nicht oder nicht mehr an Kriegshandlungen teilnehmen, regelt. Als Schutzzeichen definierte er das Rote Kreuz auf weißem Grund. Es wurde zum Symbol für den Schutz von Hospitälern, Ambulanzen und dem dort arbeitende Personal. Dunant forderte, in Friedenszeiten Hilfsorganisationen zu gründen, deren Ziel es sein sollte, Freiwillige auszubilden, die im Krieg bereit seien, Verwundete zu versorgen. In Deutschland wurden neben den freiwilligen Hilfskräften auch Krankenschwestern in Schwesternschaften des Roten Kreuzes ausgebildet.

Genfer Konventionen I-IV

Erste Konvention:
Verwundete und Kranke der bewaffneten Kräfte im Felde

Zweite Konvention:
Verwundete, Kranke und Schiffbrüchige der bewaffneten Kräfte zur See

Dritte Konvention:
Umgang mit Kriegsgefangenen

Vierte Konvention:
Zivilpersonen in Kriegszeiten

Eine Überarbeitung der Abkommen fand 1949 statt. Ergänzungen erfolgten in den Jahren 1977 und 2005. Mittlerweise gelten die Genfer Konventionen als „internationale Vereinbarung“, da sie in fast allen Ländern der Erde ratifiziert wurden.
Dunant rief die Menschheit auf, während der Friedenszeiten Hilfsorganisationen zu gründen, deren Ziel es sein sollte, Freiwillige auszubilden, die im Kriegsfall bereit sein sollten, Verwundete zu versorgen.

In Deutschland wurde neben der Ausbildung der freiwilligen Hilfskräfte auch die Ausbildung von Krankenschwestern in Schwesternschaften des Roten Kreuzes durchgeführt.

Die Alice-Schwesternschaft vom Roten Kreuz Darmstadt e. V.

01.06.1867
Gründung eines „Frauenvereins zur Ausbildung von Krankenpflegerinnen im Krieg und Frieden“ 17.12.1867
Organisationsstatut für die Berufspflegerinnen 07.09.1869
Der Verein erhält den Namen: „Alice-Frauenverein für Krankenpflege im Großherzogtum Hessen“. 19.11.1872
Beitritt zum „Verband deutscher Hilfs- und Pflegevereine unter dem Roten Kreuz“.

Die Schwesternschaften des Roten Kreuzes waren die ersten weltlichen Schwesternschaften. Die Schwesternverbände des Roten Kreuzes waren wie beispielsweise die Barmherzigen Schwestern und die „Kaiserswerther Diakonie“ nach dem Mutterhausprinzip strukturiert. Aufgrund der abgeschlossenen Gestellungsverträge wurden die Schwestern in die entsprechende Einrichtung entsandt. Eines der zentralen Anliegen der Schwesternschaften war immer die Pflegeausbildung.

Grundlage der Schwesternschaften des Roten Kreuzes waren und sind die Grundsätze des Roten Kreuzes:

Neutralität, Menschlichkeit, Unparteilichkeit, Unabhängigkeit, Freiwilligkeit, Universalität, Einheit.

An der Größe der Brosche, der Kennzeichnung der Haube und am Kreuz lässt sich die Zugehörigkeit zur Schwesternschaft und - ähnlich den Militärabzeichen - auch der „Rang“ ablesen. In Kriegszeiten bekleidet jede „Rot-Kreuz-Krankenschwester“ den Rang eines Offiziers.

Informationen zum Kostüm der Oberin der Roten Kreuz-Schwesternschaft

1992 wurde die neue Tracht eingeführt:
Der Blazer mit Schal wird wahlweise zu Rock oder Hose getragen.
An der Kette hängt das Kreuz der Oberin der Schwesternschaft.

Bestandteile:

1 Haube
1 Kleid
1 Kragen
1 Umhang
1 Unterkleid
1 Brosche
1 Armbinde

Florence Nightingale

Florence Nightingale (1820 – 1910) war die jüngste Tochter einer wohlhabenden britischen Familie. Der Vorname ergab sich aufgrund ihres Geburtsortes Florenz. Nightingale erwarb während zahlreicher Reisen mit ihren Eltern umfassende Sprachkenntnisse und einen ungewöhnlich hohen Bildungsgrad.

1850 entstand der erste Kontakt zur Kaiserswerther Diakonie und somit zu Theodor Fliedner. Die innere Haltung der Diakonissen beeindruckte sie sehr. Im Jahre 1851 kehrte Nightingale für drei Monate nach Kaiserswerth zurück. Sie war allerdings davon überzeugt, dass die Ausbildung bei den katholischen Pflegeorden besser sei und erhielt im Jahre 1853 die Möglichkeit, bei den „Barmherzigen Schwestern der Maison de la Providence“ in Paris zu arbeiten.

Ein Jahr später übernahm Florence Nightingale auf Bitten des britischen Kriegs-Staatssekretärs Sidney Herbert die Organisation der Pflege und des Lazarettwesens während des Krimkrieges in der Türkei. Sie reiste mit 38 Schwestern an und arbeitete in den nächsten 18 Monaten hauptsächlich in Skutari. Sie reformierte das Lazarettwesen von Grund auf und erzielte erstaunliche Erfolge. Die Sterblichkeit der Verwundeten nahm deutlich ab.

Lange vor ihrer Rückkehr nach England war sie dort schon eine bekannte Persönlichkeit. Als „die Frau mit der Lampe“ wurde sie berühmt. Sie besuchte nachts die Soldaten auf den Krankenlagern und hatte eine Öllampe dabei. Diese Besuche dienten neben dem Zuspruch auch der Kontrolle des Versorgungsstandards der Verwundeten.

Nach ihrer Heimkehr schuf sie 1855 den in England ansässigen Florence-Nightingale-Fonds und gründete 1860 die erste Krankenpflegeschule am St. Thomas Hospital in London. Die Ausbildung dauerte ein Jahr. Die Absolventinnen wurden danach für zwei weitere Jahre verpflichtet.

Die Grundlage für die Errichtung freier Krankenpflegeschulen war nun geschaffen. Die Krankenpflege wurde auf diesem Wege ein staatlich anerkannter Ausbildungsberuf und Frauen hatten die Möglichkeit, eine geordnete und einheitliche Berufsausbildung zu erhalten.

Mit der Zeit entwickelte sich ein Kontakt zur Großherzogin Alice in Darmstadt. Diese tauschte sich mit Florence Nightingale über eine zeitgemäße Pflegeausbildung für Frauen aus und gründete 1867 einen „Frauenverein zur Ausbildung von Krankenpflegerinnen in Krieg und Frieden“.

„Krankenpflege ist keine Ferienarbeit. Sie ist eine Kunst und fordert, wenn sie Kunst werden soll, eine ebenso große Hingabe, eine ebenso große Vorbereitung, wie das Werk eines Malers oder Bildhauers. Denn was bedeutet die Arbeit an toter Leinwand oder kaltem Marmor im Vergleich zu der am lebendigen Körper, dem Tempel für den Geist Gottes.“
(Florence Nightingale)

Informationen zum Kostüm der Florence Nightingale
(berufliche Krankenpflege in England)

Bestandteile:

1 Rock
1 Bluse
2 Stulpen
1 Brosche
1 Spitzenhäubchen

Anweisung zum Anlegen:

Die Bluse wird über dem Rock getragen, die weißen Stulpen kommen über die Unterarme.
Die Brosche hält das Kragenband zusammen.
Den Rock bitte immer über den Kopf ziehen, so reißen die Nähte nicht aus.

dazugehörige Haartracht/Kopfbedeckung:

Das Spitzenhäubchen wird fast auf den Hinterkopf gesetzt,
die Bänder hängen lose nach vorn – nicht knoten.
Als Haarfrisur: Knoten und Mittelscheitel (Original F. N.).

Die Berufsorganisation der Krankenpflegerinnen Deutschlands

Die freiberufliche Krankenpflege in Deutschland entwickelte sich gegen Ende des 19. Jahrhunderts.

Durch die Industrialisierung mit ihren sozialpolitischen Auswirkungen kam es in vielen Lebensbereichen zu einem grundsätzlichen Wandel.

Agnes Karll, 1868 bei Lüneburg geboren, trat mit 19 Jahren in das Clementinenhaus in Hannover, ein Rot-Kreuz-Mutterhaus ein, um die Krankenpflege zu erlernen. 1891 schied sie aus und arbeitete zehn Jahre in der Privatpflege in Berlin.

Während dieser Zeit erkrankte Karll schwer. Infolgedessen konnte sie ihren Beruf nicht mehr ausüben. Das eigene Schicksal führte ihr die Notwendigkeit einer Organisation, die sich für eine einheitliche Berufsausbildung, leistungsgerechte Bezahlung, geregelte Arbeitszeiten sowie ausreichenden Renten- und Krankenversicherungsschutz der Krankenschwestern, bzw. Krankenpflegern einsetzte, vor Augen. So gründete sie 1903 die „Berufsorganisation der Krankenpflegerinnen Deutschlands“ und bot deren Mitgliedern Rechtberatung, Versicherungsschutz sowie Arbeitsplatzvermittlung an. Bereits ein Jahr später trat die Vereinigung dem Weltbund der Krankenpflegerinnen (ICN) bei. Agnes Karll war in der Zeit von 1909 bis 1912 deren Präsidentin.

Im Jahre 1907 wurde die erste Prüfungsordnung für Krankenpflegerinnen erlassen, welche eine einjährige Ausbildung mit der mündlichen, schriftlichen und praktischen Prüfung abschloss. Auf der Brosche, welche einen Bestandteil der Berufskleidung darstellte und die Zugehörigkeit zur Berufsorganisation signalisierte, stand unterhalb des Lazaruskreuzes: „Ich dien“.

„Wir, die wir als selbstständige, selbstverantwortliche Menschen dem Leben gegenüberstehen, sind selbst schuldig, wenn wir nicht die rechten Wege suchen und bahnen. Helfen, um fähig für unsere Lebensaufgabe zu werden. Man hat uns wenig Möglichkeiten hierfür gegeben, das ist keine Frage. Aber wer soll uns denn für unseren Beruf aufbauen, wenn wir es nicht selbst tun. Wir haben kein Recht zu verlangen, dass andere es tun.“
(Agnes Karll)

Informationen zum Kostüm der beruflichen Krankenpflege in Deutschland
(Berufsorganisation der Krankenpflegerinnen Deutschlands (BO-Schwester))

Bestandteile:

1 Kleid
1 Reformschürze, weiß
1 Haube
1 Brosche – Berufsverband der Krankenpflegerinnen Deutschlands
1 Kragen
1 Unterkleid

Anweisung zum Anlegen:

Die Schürze wird über dem Kleid hinten zugeknöpft.
Der Kragen kann vorn offen oder auch als hochgeschlossener Stehkragen getragen werden,
die Brosche wird am Kragen befestigt.

Dunkle Strümpfe und solide Schuhe werden zu dieser Tracht getragen.

dazugehörige Haartracht/Kopfbedeckung:

Die Haube wird gefaltet und zwei Fingerbreit vom Haaransatz aufgesetzt
(Empfehlung: Haarknoten).

Der Hessische Diakonieverein (HDV)

Der Hessische Diakonieverein wurde am 13.06.1906 von Mitgliedern der evangelischen Kirche im Großherzogtum Hessen-Darmstadt, welche dem arrivierten Bildungsbürgertum angehörten, unter der Federführung von Pfarrer Dr. HC. Johannes Guyot gegründet.

Die Devise der Gründer des HDV stammt aus der Bibel:

„Es gibt viele verschiedene Gaben, aber es ist ein und derselbe Geist, der sie uns zuteilt.“
(1. Brief an die Korinther 12,4)

Friedrich Pützer, ein bekannter Architekt und evangelischer Kirchenbaumeister, entwarf eine Brosche für den HDV. Im Mittelpunkt des Kreuzes auf der Brosche sieht man die weiße Lutherrose. Nach 10-jähriger HDV-Zugehörigkeit wird ein Kreuz mit der Inschrift verliehen:

„Ich bin der Weinstock, ihr die Reben“

Die der HDV zugehörige Helene Freifrau von Dungern gründete 1907 in den Städtischen Kliniken Darmstadt eine Krankenpflegeschule und plante als erste Oberin das Ausbildungskonzept.

Üblicherweise waren eine höhere Schulbildung und ein gewisses Maß an Allgemeinbildung Voraussetzung für die Aufnahme in die Krankenpflegeausbildung. Der HDV jedoch ermöglichte auch Frauen aus weniger elitären Gesellschaftsschichten mit einem guten Volksschulabschluss den Zugang zur Krankenschwesterausbildung.

Für Frauen stellte die Mitgliedschaft und die Ausbildung beim HDV eine Alternative zum Leben in einem Diakonissenmutterhaus dar. Die christlich-liberale theologische Ausrichtung bot zum einen die Möglichkeit, sich an das Heimathaus (Mutterhaus) anzubinden, zum anderen eine selbstständige Lebensform zu finden.

Der Gestellungsvertrag mit dem Klinikum Darmstadt wurde im Jahre 1911 aufgelöst. Grund für die Entscheidung der Stadt Darmstadt war die Gründung der Schwesternschaft der selbstständigen städtischen Schwestern unter der Leitung der Oberin Marie Catoir vom Zehlendorfer Verband.

1945 schloss das Klinikum nach Auflösung der durch den Nationalsozialismus ideologisch unterwanderten Städtischen Schwesternschaft. Danach wurde erneut einen Gestellungsvertrag mit dem HDV ratifiziert, welcher bis 1981 bestand.

Einrichtungen des HDV sind u. a.:

  • Seniorenzentrum Heimathaus, Darmstadt
  • Haus Johannes, Senioreneinrichtung in Heppenheim
  • Luisenkrankenhaus, Lindenfels
  • Seniorenzentrum Sophienstift, Worms
  • Diakonie-Krankenhaus Ingelheim

Deutscher Berufsverband für Pflegeberufe (DBfK)

Die von Agnes Karll 1903 gegründete Berufsorganisation der Krankenpflegerinnen konnte in Deutschland bis 1938 unter dieser Bezeichnung wirken. Schlussendlich wurde die Organisation von den Nationalsozialisten aufgelöst und in den Reichsbund der freien Schwestern und Pflegerinnen integriert. Ziel der Maßnahme war die ideologische Unterwanderung und Ausrichtung der freiberuflichen Pflege an den Parteizielen der NSDAP.

Nach dem zweiten Weltkrieg ergriff Oberin Helene Blunck die Initiative und suchte den Zusammenschluss der freiberuflich arbeitenden Pflegekräfte. Sie gründete den „Agnes-Karll-Verband.“

Der Agnes-Karll-Verband ging 1973 in den „Deutschen Berufsverband für Krankenpflege e. V.“ (DBfK) über. Heute heißt er „Deutscher Berufsverband für Pflegeberufe“ (DBfK) und stellt die größte berufspolitische Vertretung der freiberuflichen Pflegekräfte in Deutschland dar. Agnes Karll zu Ehren wurden das Institut für Pflegeforschung in Berlin (AKI), die Kliniken in Bad Schwartau und Laatzen, die Krankenpflegeschulen in Frankfurt am Main und Tettnang nach ihr benannt.

Mit dem neuen Krankenpflegegesetz von 2004 kam es auch bei der Berufsbezeichnung zu einem Wandel:

  • Aus der Krankenschwester und dem Krankenpfleger wurde die Gesundheits- und Krankenpflegerin bzw. der Gesundheits- und Krankenpfleger
  • Aus der Kinderkrankenschwester und dem Kinderkrankenpfleger wurde die Gesundheits- und Kinderkrankenpflegerin bzw. der Gesundheits- und Kinderkrankenpfleger.

Aus der geänderten Berufsbezeichnung ergibt sich auch die Öffnung des Berufes in präventive, rehabilitative und palliative Arbeitsbereiche. Hieraus resultierend steht der gesellschaftliche Anspruch, dass die Pflege im Bereich der Gesundheitsfürsorge mit ihren verschiedenen Arbeitsbereichen auch neue Aufgabenfelder übernimmt. Im Rahmen der Ausbildung spielen daher Gesundheitsberatung, Kommunikation, Einschätzung der Pflegebedürftigkeit und Organisation von individuellen Pflegenetzwerken eine große Rolle.

Informationen zum Kostüm des Agnes Karll-Verbandes
(heute: „Deutscher Berufsverband für Pflegeberufe (DBfK)

Bestandteile (ab 1950 Ausgehtracht):

1 Unterkleid
1 Kleid (dunkelblau)
1 Haube (mit Haubenstreifen, Haarklemmen, 1 Haubentuch)
1 Kragen
1 Brosche (Agnes-Karll-Verband)
2 Manschetten
2 Steckknöpfe für den Kragen

Dazu werden graue Strümpfe und schwarze Schuhe getragen.

Bildungszentrum für Gesundheit,
Mathildenhöhe

Dieburger Straße 30
64287 Darmstadt
Deutschland

Telefon: 06151-402 4050
arndt.blessing@bzg-mathildenhoehe.de
Sekretariat BZG:

Tanja Höhl | Telefon: 06151-402 4053
tanja.hoehl@bzg-mathildenhoehe.de

Angela Iffland | Telefon: 06151-402 4052
angela.iffland@bzg-mathildenhoehe.de

Kerstin Vogl | Telefon: 06151-402 4053
kerstin.vogl@bzg-mathildenhoehe.de