twitter facebook

Ausbildungskonzept und Ausbildungsphilosophie

1. Einleitung

Mit Inkrafttreten des novellierten Gesetzes über die Berufe in der Krankenpflege (KrPflG) am 01.01.2004 steht erstmals in der gesetzlichen Ausbildungsgrundlage der umfassende Kompetenzerwerb als Ausbildungsziel im Mittelpunkt.

2. Die Handlungskompetenz

Handlungskompetenz wird definiert als „Bereitschaft und Fähigkeit des Einzelnen, sich in beruflichen, gesellschaftlichen und privaten Situationen sachgerecht durchdacht sowie individuell und sozial verantwortlich zu verhalten“. Sie beinhaltet damit die Fachkompetenz, personale Kompetenz, soziale Kompetenz und die Methodenkompetenz. Das im Krankenpflegegesetz beschriebene Ausbildungsziel nimmt diesen Gedanken auf.

Beispiele:

Fachliche Kompetenz:
Fähigkeit, berufstypische Aufgaben und Sachverhalte gemäß der theoretischen Anforderungen selbstständig und eigenverantwortlich zu bewältigen, z. B. Blutdruck messen.

Soziale Kompetenz:
Fähigkeit, sich anderen Menschen gegenüber situationsangemessen zu verhalten, z. B. adäquate Kommunikation.

Personale Kompetenz:
Basiskompetenz jedes einzelnen Menschen - Fähigkeiten, Fertigkeiten und Haltungen in der Persönlichkeitscharakteristika, z. B. Umgang mit Kritik.

Methodische Kompetenz:
Fähigkeit, Fachwissen zu beschaffen, zu verwerten und allgemein mit Problemen umzugehen,
z. B. Arbeitsabläufe strukturieren.

3. Ausbildungsziel (Krankenpflegegesetz vom 16.07.2003)

Die Ausbildung für die Pflege soll insbesondere dazu beitragen,

  1. die folgenden Aufgaben eigenverantwortlich durchzuführen:
    • Erhebung und Feststellung des Pflegebedarfs, Planung, Organisation, Durchführung und Dokumentation der Pflege,
    • Evaluation der Pflege, Sicherung und Entwicklung der Qualität der Pflege,
    • Beratung, Anleitung und Unterstützung der zu pflegenden Menschen und ihrer Bezugspersonen in der individuellen Auseinandersetzung mit Gesundheit und Krankheit,
    • Einleitung lebenserhaltender Sofortmaßnahmen bis zum Eintreffen der Ärztin oder des Arztes.
  2. die folgenden Aufgaben im Rahmen der Mitwirkung auszuführen:
    • eigenständige Durchführung ärztlich veranlasster Maßnahmen,
    • medizinische Diagnostik, Therapie oder Rehabilitation,
    • Maßnahmen in Krisen- und Katastrophensituationen.
  3. interdisziplinär mit anderen Berufsgruppen zusammenarbeiten und dabei multidisziplinäre und berufsübergreifende Lösungen von Gesundheitsproblemen zu entwickeln.

Die neue Ausbildungs- und Prüfungsverordnung legt eine Lernfeldorientierung nahe. Die zwölf Themenbereiche, die den bisherigen Fächer- und Inhaltskatalog ersetzen, orientieren sich an beruflichen Handlungen und beinhalten komplexe Problem- und Aufgabenstellungen aus der beruflichen Praxis.

Themenbereiche
(Krankenpflegeausbildung und Prüfungsverordnung, Anlage 1 zu § 1 Abs. 1):

  1. Pflegesituationen bei Menschen aller Altersgruppen erkennen, erfassen und bewerten
  2. Pflegemaßnahmen auswählen, durchführen und auswerten
  3. Unterstützung, Beratung und Anleitung in gesundheits- und pflegerelevanten Fragen fachkundig gewährleisten
  4. Bei der Entwicklung und Umsetzung von Rehabilitationskonzepten mitwirken und diese in das Pflegehandeln integrieren
  5. Pflegehandeln personenbezogen ausrichten
  6. Pflegehandeln an pflegewissenschaftlichen Erkenntnissen ausrichten
  7. Pflegehandeln an Qualitätskriterien, rechtlichen Rahmenbedingungen sowie wirtschaftlichen und ökologischen Prinzipien ausrichten
  8. Bei der medizinischen Diagnostik und Therapie mitwirken
  9. Lebenserhaltende Sofortmaßnahmen bis zum Eintreffen der Ärztin oder des Arztes einleiten
  10. Berufliches Selbstverständnis entwickeln und lernen, berufliche Anforderungen zu bewältigen
  11. Auf die Entwicklung des Pflegeberufs im gesellschaftlichen Kontext Einfluss nehmen
  12. In Gruppen und Teams zusammenarbeiten

Den Themenbereichen zugeordnet sind Destinationen, die auf Kompetenzen abzielen und die unterschiedlichen Perspektiven der beruflichen Tätigkeit berücksichtigen (z.B. alters- und entwicklungsspezifische Aspekte, wissenschaftliche Grundlagen, ökonomische Aspekte, Rahmenbedingungen der Pflege). Damit haben die Themenbereiche einen ähnlichen Status wie Lernfelder. Auch wenn im neuen Krankenpflegegesetz die Lernfeldorientierung nicht explizit gefordert ist, spricht vieles dafür, diesen Ansatz in der Pflegeausbildung umzusetzen.

4. Was ist Lernfeldorientierung?

Um in beruflichen Handlungssituationen zu bestehen, werden diese analysiert, um daraus für den Unterricht passende thematische Einheiten zu bilden. Aus dem praktischen Handlungsfeld wird ein schulisches Lernfeld abgeleitet. Aus der daraus konstruierten Lernsituation sind Unterrichtseinheiten geworden, welche die Auszubildenden befähigen, im Berufsalltag kompetent zu handeln.

Beispiel:
 
Handlungsfeld:
Patientenaufnahme im Krankenhaus
Lernfeld:
Gespräche gestalten
Lernsituation/Titel:
Den Erstkontakt und die Aufnahmesituation mit pflegebedürftigen Menschen in unterschiedlichen Pflegesituationen gestalten.
Erforderliche Kompetenzen:
 
Fachkompetenz:
z. B. Kenntnisse der Kommunikationsregeln
Soziale Kompetenz:
z. B. einfühlendes Zuhören können
Personale Kompetenz:
z. B. eigenes Gesprächsverhalten reflektieren können
Methodenkompetenz:
z. B. Umgang mit dem Aufnahmebogen

 

Innerhalb der Lernsituationen werden Fachinhalte nur dann unterrichtet, wenn sie zum jeweiligen Themenkomplex passen, die herkömmliche Fachsystematik (z. B. das Unterrichtsfach Physik) ist weggefallen. Einzelne Inhalte wie die Optik und die Hebelgesetze werden allerdings weiterhin sinnvoll integriert.

5. Lernfeldkonzept und Handlungsorientierung

Lernen soll so organisiert werden, dass den Lernenden im Unterricht ein bewusstes, zielgerichtetes und planvolles Tun ermöglicht wird. Zugrunde liegt die Annahme, dass Lernen eine spezifische Form des Handelns ist. Die Handlungskompetenz wird gefördert, wenn Lernende im Unterricht Aufgaben im Sinne einer vollständigen Handlung möglichst selbstständig planen, durchführen, überprüfen, ggf. korrigieren und abschließend bewerten. Durch die Orientierung an beruflichen Fragestellungen wird darüber hinaus der Praxisbezug gewährleistet.

Dieses Verständnis von Handlungsorientierung erfordert nicht nur ein methodisches Umdenken, sondern auch ein verändertes Rollenverständnis der am Lehr-Lern-Prozess Beteiligten: Lehrkräfte verstehen sich bei der handlungsorientierten Unterrichtsgestaltung eher als Lernhelfer. Sie präsentieren nicht mehr primär die Unterrichtsinhalte, sondern vermitteln den Lernenden vielmehr Methoden zum selbstständigen Lernen und Arbeiten. Die Schülerinnen und Schüler werden von passiven Konsumenten zu aktiv handelnden Personen, die den Lernprozess mitbestimmen.

6. Die Ausbildungsphilosophie

Ihre Aufgabe in der theoretischen Ausbildung sehen die Lehrkräfte:

  • in der Vermittlung von Fach-, Sozial-, personaler- und Methodenkompetenz mittels handlungsorientiertem Unterricht,
  • in der Begleitung während der Ausbildung, indem sie den jungen Menschen beratend zur Seite stehen,
  • in der Entwicklung und Förderung eines beruflichen Selbstverständnisses, welches zum Tragen von Verantwortung für sich selbst und andere befähigt,
  • in der Vermittlung von gesellschaftlichen Werten,
  • in der Förderung der Auszubildenden zu eigenständigem Lernen und Handeln,
  • im Ermutigen zur kritisch-konstruktiven Auseinandersetzung mit dem gewählten Beruf,
  • in der Förderung der bestehenden Motivation,
  • in der Schaffung einer angenehmen Lernatmosphäre.

Die Lehrkräfte verstehen sich als:

  • Spezialistinnen und Spezialisten für ihren Fachbereich,
  • Organisatorinnen und Organisatoren der Ausbildung in Theorie und Praxis,
  • Gestalterinnen und Gestalter des Lernprozesses,
  • Vermittlerinnen und Vermittler zwischen Theorie und Praxis,
  • Vertreterinnen und Vertreter des Arbeitgebers, indem sie u. a. auf das Einhalten von Regularien achten,
  • Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner für alle an der Ausbildung Beteiligten.

Grundlegende Voraussetzung für eine gute Zusammenarbeit zwischen Lehrkräften und Auszubildenden ist ein aufgeschlossener und wertschätzender Umgang miteinander.

Bildungszentrum für Gesundheit,
Mathildenhöhe

Dieburger Straße 30
64287 Darmstadt
Deutschland

Telefon: 06151-402 4050
arndt.blessing@bzg-mathildenhoehe.de
Sekretariat BZG:

Tanja Höhl | Telefon: 06151-402 4053
tanja.hoehl@bzg-mathildenhoehe.de

Angela Iffland | Telefon: 06151-402 4052
angela.iffland@bzg-mathildenhoehe.de

Kerstin Vogl | Telefon: 06151-402 4053
kerstin.vogl@bzg-mathildenhoehe.de